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Energieholz in der Wohnungswirtschaft - ein Beispiel

Biomasse-Nahwärme in Singen

Um die Forderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) hinsichtlich der Erneuerung von Heizanlagen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimal erfüllen zu können, realisierte die Hegau Immobilien Service & Management GmbH Mitte 2003 im badischen Singen eine Nahwärmeversorgung für 350 Bestandswohnungen auf Basis einer Holzhackschnitzelfeuerung.

Die Tochtergesellschaft der Wohnungsgenossenschaft betreibt im Wege des Wärmeliefercontractings neben der Holzhackschnitzelfeuerung alle 80 Wärmeversorgungsanlagen und ist auch für die Modernisierung der Heizanlagen verantwortlich.

Energiekonzept als Grundlage der Entscheidung

Bevor die Investition in Höhe von insgesamt 1.100 T€ beschlossen und umgesetzt wurde, ließ die Baugenossenschaft Hegau in einem Energieversorgungskonzept untersuchen, welche marktverfügbare Heiztechnologie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten die sinnvollste Alternative sei. Hierbei erwies sich die realisierte Holzhackschnitzelheizung als wirtschaftlichste Option. Unterstützt wurde die Entscheidung zudem durch Besichtigungen einiger realisierter Hackschnitzelheizungen.

Das Konzept

Heute liefert der Hackschnitzelkessel als Grundlastkessel mit rund 1.000 kW Gesamtleistung ca. 80% des gesamten Energiebedarfs der 18 versorgten Gebäude. Einer der beiden früher vorhandenen Ölkessel liefert mit seinen 1.250 kW Leistung heute ca. 20% des gesamten Energiebedarfs – als Spitzenlastversorgung an kalten Wintertagen und außerhalb der Heizperiode für die Warmwasserbereitung.

Die Holzhackschnitzel werden direkt vom LKW in das zum Hackschnitzelsilo umgebaute Öltanklager abgekippt. Von dort aus gelangen die Hackschnitzel vollautomatisch über Schubböden und Transportschnecken bis in den Kessel.

Auch die Entaschung des Kessels und des Rauchgases erfolgt automatisch, die Entsorgung der zu deponierenden Flugasche übernimmt der Hackschnitzellieferant. Die Versorgung mit Hackschnitzeln und die Qualität des Holzes ist durch langfristige Lieferverträge sichergestellt. Um die Lieferung qualitativ schlechten Holzes von vorneherein auszuschließen, wurde die Vergütung auf Basis des Heizwertes vereinbart.

Durch die Umstellung von Öl auf Holz werden jährlich 280.000 Liter Heizöl eingespart und die Umwelt um 830 t Kohlendioxidausstoß entlastet.

Ein weiterer Vorteil ist für Axel Nieburg, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Hegau, die größere Unabhängigkeit von Ölpreisschwankungen und zukünftigen Preissteigerungen. Darüber hinaus wird der Brennstoff in der Region bereitgestellt und stärkt so die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Ein Viertel des jährlichen Brennstoffbedarfs von rund 4.100 Sm³ stammt aus den umliegenden Wäldern, drei Viertel aus einem Sägewerk in der Region.

Durch die weitgehende Automatisierung ist auch der Betriebsaufwand für die Hackschnitzelanlage gering.

Resümee

Das gesamte Projekt wurde als Contractingmaßnahme zwischen der Baugenossenschaft Hegau und der Hegau Service & Immobilienmanagement durchgeführt.

Geschäftsführer Nieburg kommentierte das erfolgreiche Projekt: „Man könnte auch sagen, es handelt sich um eine typisch schwäbische Finanzierungsform, weil der Hauseigentümer kein eigenes Geld für die Investition in die Hand nehmen muss und trotzdem eine neue Heizanlage im Keller stehen hat“.

Für ihn ist der Weg des Contractings die ideale Lösung, wenn das notwendige Kapital zur Erneuerung der Heizanlage fehlt – und auch das Investor-Nutzer-Dilemma kann so gelöst werden.

Wohnungsunternehmen sind einerseits dazu verpflichtet, geringere Betriebskosten aufgrund günstigerer Brennstoffpreise an die Mieter weiter zu geben, andererseits ist die juristische Situation zur Refinanzierung der Investition durch Erhöhung der Kaltmiete immer noch ungeklärt. Hieraus entsteht sozusagen die Zwangslage, dass das modernisierende Wohnungsunternehmen die Kosten, der Mieter jedoch den Vorteil hat.

Im Rahmen eines Wärmeliefervertrages können dagegen nicht nur die Verbrauchskosten, sondern auch die Investitionskosten in den Wärmepreis einkalkuliert und so auf die Mieter umgelegt werden. Im Ergebnis können durch das Contracting die niedrigeren Brennstoffkosten für die Holzhackschnitzel und der niedrige Brennstoffverbrauch durch den hohen Wirkungsgrad der neuen Heizanlage zur Refinanzierung der Investition verwendet werden.

Hierbei ist die transparente Gestaltung des Contractingvertrages Basis für die langfristige, kooperative Zusammenarbeit zwischen einem Wohnungsunternehmen als Contractinggeber und dem Energiedienstleistungsunternehmen als Contractingnehmer.

Bilanziell stellt die Heizungsmodernisierung nun für das Contractingunternehmen aktivierungsfähigen Herstellungsaufwand dar, während sie bei einer Lösung in Eigenregie die Gewinn- und Verlustrechnung der Muttergesellschaft als Instandhaltungsaufwand belastet hätte.

Dem Projekt kamen insgesamt 97.000 € Fördermittel zu Gute, die zu je 50% durch das Land Baden-Württemberg und die Europäische Union bereitgestellt wurden. Der Rest wurde durch die Tochtergesellschaft finanziert, die heute die Wärme liefert.

Und auch das öffentliche Interesse an der Anlage ist groß. So besichtigten neben den Bewohnern der versorgten Gebäude auch zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft bei der Einweihung im April 2003 Singens erste Holzhackschnitzelheizzentrale.

Technische Datender Hackschnitzelheizanlage Singen

Hackschnitzelkessel ca. 1.000 kW
HEL-Spitzenlastkessel ca. 1.250 kW
Wärmeversorgung 350 Wohnungen
Gesamtwärmebedarf ca. 4.600 MWh
Hackschnitzelbedarf ca. 4.100 Sm3
Silovolumen ca. 269 m3
Heizölverbrauch ca. 67.600 ltr./a
Länge Nahwärmenetz ca. 2.000 m

Kontakt

Baugenossenschaft Hegau eG und Hegau Immobilien Service & Management GmbH
Worblinger Str. 51
78224 Singen
Tel.: (07731) 9324-0
Fax: (07731) 9324-11
www.hegau.com